Die Ehe für alle…

Im Jahr 1989 wurde der erste Grundstein mit der Einführung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft in Dänemark gelegt.

Axel Lundahl-Madsen und Eigil Eskildsen gelten im skandinavischen Raum als die Väter der Homo-Ehe. Über vierzig Jahre kämpften sie für die Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare in ihrem Land. Im Jahr 1989 waren sie weltweit das erste Homo-Paar, das die Ehe einging. Zehn Jahre später, am 6. Mai 1999, wurde die sogenannte „Hamburger Ehe“ eingeführt. Sieben Paare, drei lesbische und vier schwule, wurden vom Leiter des Standesamtes in Hamburg sowie der Gleichstellungssenatorin Krista Sager empfangen. Damals war das Modell noch höchstumstritten und hatte zunächst lediglich symbolischen Charakter. Jedoch wurde ein neuer Weg eingeschlagen, sodass Hamburg in einem gemeinsamen Entschließungsantrag der Nordländer mit Schleswig-Holstein und Niedersachsen den Antrag für die Öffnung der Ehe durch den Bundesrat gebracht hat.

Ab dem 1. August 2001 bis einschließlich September 2017 ermöglichte das Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft- kurz Lebenspartnerschaftsgesetz- den Homosexuellen in Deutschland die Begründung einer Lebenspartnerschaft. Aus Symbolcharakter wurde endlich Sicherheit in Steuer- und Erbschaftsfragen sowie der Mitversicherung bei Krankenkassen wie auch beim Auskunftsrecht im Krankheitsfall.

Seit dem 1. Oktober 2017 ist die eingetragene Lebenspartnerschaft passé und die Ehe für alle da. Deutschland ist das 24. Land auf der Welt, das die gleichgeschlechtliche Ehe zulässt. Sie ist vor allem in Europa, aber auch in Nord- und Südamerika verbreitet.

Jahrzehnte haben Schwule und Lesben gekämpft- allen Widerständen und Schikanen getrotzt und einen weiteren Schritt zur Gleichberechtigung erreicht. Der Paragraph 1353 im Bürgerlichen Gesetzbuch wurde am 1. Oktober 2017 wie folgt geändert: „ Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen“.

Auch in Stralsund haben sich noch im Jahr 2017 fünf gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort. Im darauffolgenden Jahr waren es insgesamt 28 Homosexuelle, die sich dazu entschieden, den rechtlichen Stand der Ehe einzunehmen.

Mit der Ehe für alle hat sich die Möglichkeit eröffnet, ein Kind zu adoptieren, ohne zunächst große Hürden überwinden zu müssen. Ein Wehmutstropfen aber bleibt es dennoch. Denn zwei verheiratete Frauen bekommen nicht automatisch beide das Sorgerecht für ein Kind, sondern nur die Frau, die das Kind austrägt. Die andere hat keine Rechte am eigenen Wunschkind. Sie kann ihr Kind lediglich als Stiefkind adoptieren. Ein schwules Ehepaar hat die Möglichkeit ein Kind zu adoptieren bzw. ein Pflegekind aufzunehmen.

Im Bundesjustizministerium wird über eine Modernisierung des Familienrechts nachgedacht. Auf die Umsetzungsmaßnahmen sind wir gespannt und werden natürlich berichten.

Sarah Cornils, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Stralsund

17. Mai als Internationaler Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie

Am 17. Mai 1990 beschloss die Generalversammlung der Weltgesundheitsorganisation, Homosexualität von der Liste psychischer Erkrankungen zu streichen. Seit 2004 wird der Internationale Tag gegen Homophobie (IDAHO- „International Day Against Homophobia“) und seit 2009 ergänzt um den Begriff Transphobie  („International Day Against Homophobia and Transphobia“) bunt gestaltet und gefeiert.

Im April 2007 wurde dieser Gedenktag vom Europäischen Parlament offiziell als Aktionstag anerkannt. Aus Sicht des Europarats zählen Hassverbrechen und Gewalt in Europa immer noch zu den hartnäckigsten Verstößen gegen Menschenrechte.

Was aber bedeutet nun Homophobie? – es heißt, dass Homosexualität abgewertet oder auch als Krankheit, Sünde, Ekel, falsch oder widernatürlich bezeichnet wird. In jedem Fall wird es als defizitär und nicht gewollt angesehen.

Trotz Streichung des § 175 Strafgesetzbuch im Jahr 1994 -welcher sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte- und der Einführung der „Homo-„ Ehe sowie des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetztes kann von keiner breiten gesellschaftlichen Akzeptanz in der Gesellschaft ausgegangen werden.  Diskriminierung und Anfeindungen gehören nach wie vor zur Erfahrung vieler queerer Menschen. Die Zahl der Überfälle an LSBTI Menschen im Jahre 2018 lag bei 313 Fällen. Der LSVD (Lesben und Schwulenverband Deutschland) hingegen spricht von einer Dunkelziffer, die bei 80-90 Prozent liegt. Noch immer trauen sich Lesben, Schwule, Trans*gender nicht Gewaltvorgänge anzuzeigen, aus Angst vor Diskriminierung, Repressionen und Nichtachtung. Danach sprechen wir von 801 Fällen im Jahr 2018 bundesweit.

Am 17. Mai jeden Jahres setzen Lesben, Schwule, Trans-, Inter- und Bisexuelle mit Demos in Regenbogenfarben, Diskussionen, Konzerten und Aktionen ein Zeichen für Toleranz. Denn noch immer steht Homosexualität in mehr als 70 Ländern der Welt unter Strafe. Den Homosexuellen und Trans*gender drohen teilweise sogar die Todesstrafe.

Auch heute noch spielen gewisse Rahmenbedingungen für Outings eine Rolle: Lebe ich auf dem Land oder in einer großen Stadt? Arbeite ich in geschlechtsspezifischen Berufsgruppen, wie z.B. der Bundeswehr oder Polizei? Bin ich jung oder alt? Bin ich Mitglied einer bestimmten Sportmannschaft? Gehöre ich einer kirchlichen Institution an?  Und das im 21. Jahrhundert.

Gleichstellung bzw. Chancengleichheit sieht anders aus. Deshalb werden verschiedene Aktionen am 17. Mai geplant, um dafür zu kämpfen, als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft wahrgenommen, geachtet und anerkannt  zu werden.

Sichtbarkeit und Akzeptanz sind zwei wesentliche Begriffe für den Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie.

So lange queere Menschen nicht in allen Lebenslagen gleichgestellt sind, und Tendenzen zur Rückläufigkeit von Akzeptanz und Toleranz an LSBTI Menschen wieder aufkeimen, wird der 17. Mai ein mit Kampfgeist erfüllter Aktionstag bleiben. Der Weg ist noch lang.

Weitere Aktionstage für LSBTI

05.05. Internationaler Regenbogenfamilientag

17.05. Tag gegen Homophobie

28.06. Aufstand Stone Wall/ 2019 50 Jahre Stone Wall

01.12. WeltAIDStag

Sylke Engelhardt für QUEER! WIR HIER.

Giffey startet Regenbogenportal

Bundesfamilienministerium stellt Wissensnetz zu gleichgeschlechtlichen Lebensweisen und geschlechtlicher Vielfalt online

In Deutschland leben schätzungsweise 6,5 Millionen lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche (LSBTI*) Menschen. Das Bundesfamilienministerium hat das Ziel, Unwissen, Vorbehalte und Diskriminierung abzubauen, Akzeptanz, Gleichstellung und ein respektvolles Miteinander zu fördern. Das neue Regenbogenportal ist hierfür ein wichtiger Schritt.

Es ist Informationsquelle, Datenbank und Wissensnetzwerk in einem. Das Regenbogenportal liefert Aufklärung und passende Beratung und erleichtert interessierten Nutzer*innen den Zugang zu fachlich fundierten Informationen. Denn nur mit Wissen können Vorurteile abgebaut und der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden.

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey:

„Noch nie gab es in Deutschland so viele Informationen zu LSBTI-Themen auf einen Blick. Das Regenbogenportal ist damit ein echter Fortschritt. Jeder Mensch ist einzigartig – und dennoch gehören Vorbehalte und Diskriminierung für viele lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen immer noch zum Alltag. Nach wie vor gibt es Wissenslücken über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt – und die wollen wir schließen. Das Regenbogenportal klärt auf, baut Vorurteile ab und kann dazu beitragen, Diskriminierungen aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität entgegenzutreten.“

Aufklärung, Information und Vernetzung

Was bedeutet non-binary? Welche Vorschriften gelten beim Ändern des Namens bei der Geschlechtsanpassung? Wer hilft mir bei homophober Gewalt? Und wo bekommen Eltern Rat, deren Kind intergeschlechtlich geboren wurde?

In einfachen Texten und fundierten Hintergrundartikeln liefert das Portal Antworten auf Fragen wie diese. Es informiert zu Themen wie Gesundheit, Familie und Recht, greift aktuelle, gesellschaftspolitische Debatten auf und ist mit seiner Übersicht zu bundesweit knapp 300 Anlaufstellen eine praktische Orientierungshilfe. Das Regenbogenportal bietet ein umfassendes Wissensnetz für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtlich, queere Menschen und deren Familien und Angehörige, aber auch für Lehrer*innen und Fachkräfte unterschiedlicher Bereiche. Hier finden alle, die sich privat oder beruflich mit LSBTI* beschäftigen, kompakt aufbereitetes Wissen.

Das Angebot ist leicht zugänglich und kann auch auf Smartphones und Tablets genutzt werden.

Um einen möglichst großen Kreis von Menschen zu erreichen, sind die wesentlichen Inhalte der Seite in Englisch, Französisch, Spanisch, Türkisch und Arabisch sowie in leichter Sprache verfügbar.

Nutzer*innen können die Inhalte ihren Interessen entsprechend nach den Kriterien sexuelle bzw. geschlechtliche Identität, Lebensbereich oder nach Materialtyp (z.B. Leitfäden, Sachinformationen oder Unterhaltungsmedien) filtern oder gezielt nach Schlagworten suchen.

Das Bundesfamilienministerium finanziert das Regenbogenportal zunächst bis Ende 2020 mit knapp 1 Million Euro. Das Wissensnetzwerk wird laufend mit neuen Informationen, Beratungsangeboten und Nachrichten ergänzt und informiert aktuell über gesetzliche und gesellschaftliche Veränderungen.

Hier finden Sie das Regenbogenportal: www.regenbogenportal.de

LSBTI*-Gleichstellungsarbeit des Bundesfamilienministeriums

Zum Abbau von Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität und zur Förderung der Gleichstellung von LSBTI*-Menschen sowie zur Unterstützung ihrer Familien wurde 2014 das Referat „Gleichgeschlechtliche Lebensweisen, Geschlechtliche Vielfalt“ im BMFSFJ eingerichtet.

Wichtige Maßnahmen der vergangenen Jahre waren die Stärkung kompetenter Unterstützung von Regenbogenfamilien und LSBTI*-Projekten für Lesben und Schwule im Alter.

Mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ setzt sich das Ministerium auch gegen Trans- und Homofeindlichkeit und für den Aufbau des Bundesverbandes Trans* ein.

Weitere Informationen zu den Aktivitäten des Bundesfamilienministeriums im Bereich sexuelle und geschlechtliche Vielfalt finden Sie hier:

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/gleichgeschlechtliche-lebensweisen-geschlechtsidentitaet

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an: Presse@bmfsfj.bund.de

Web-Ansicht: http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/giffey-startet-regenbogenportal/135900