Stonewall – Christopher Street Day – CSD – Gay Pride– Was heißt das?

Jeder kennt sie, die bunten Straßenumzüge, die jährlich und weltweit in verschiedensten Städten Tausende bis Millionen von Menschen anziehen. Die CSD Paraden. Auf Party-Trucks feiern fröhliche Menschen mit lauter, stimmungsvoller Musik, auffallend bunten Kostümen, Massen ziehen hinterher und feiern mit. Was nach purer Party und Lebensfreude aussieht, ist eine friedliche Demonstration Homo-, Bi-, A-sexueller und trans- und intergeschlechtlicher Menschen, die sich selbstbewusst und stolz zeigen und für eine große Vielfalt sexueller Orientierung und Identitäten werben im immer noch andauernden Kampf für Gleichberechtigung in der Gesellschaft.

Was nach außen ausgelassene, gute Stimmung vermittelt, hat seinen Ursprung in einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Homo- und Transsexuellen und Polizeibeamten in New York City in der Christopher Street im Jahr 1969. Rückblick: In den 1960er Jahren kam es in Amerika immer wieder zu gewalttätigen Razzien des NYPD in Lokalen, in denen sich überwiegend Homo- und Transpersonen aufhielten. Vor 1965 war es üblich, dass in New York die Identitäten aller Anwesenden in Bars mit homosexuellem und transgeschlechtlichem Zielpublikum bei Razzien erfasst und oftmals in der Presse veröffentlicht wurden, was verheerende Folgen für die zwangsweise Geouteten hatte.

Eine bekannte Bar für Homo- und Transpersonen war das „Stonewall Inn“ in der Christopher Street in New York City. Hier kam es in der Nacht vom 27./28.06.1969 zu einer solchen Razzia der Polizeibeamten. Das Hauptaugenmerk der Sicherheitsbehörden lag auf den homosexuellen Latinos und Afroamerikanern.  Erstmals widersetzte sich eine signifikant große Gruppe, insbesondere transgeschlechtlicher Latinas und Dragqueens, der Verhaftung. Dabei kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen diesen Personen mit der Polizei, die Situation beruhigte sich erst nach fünf Tagen. Diese Nacht des 28.06.1969 wird in der Lesben- und Schwulenbewegung als Wendepunkt im Kampf für Gleichbehandlung und Anerkennung angesehen.

Menschen, die nicht nach der heteronormativen Norm lebten, wurden auf der Grundlage sogenannter Sodomiegesetze in vielen Bundesstaaten in den USA strafrechtlich verfolgt und erlitten soziale Benachteiligungen, z.B. auf dem Wohnungsmarkt oder am Arbeitsplatz. Händchen halten, Küssen zwischen gleichgeschlechtlichen Personen, das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts, insbesondere das Tragen von Frauenkleidung bei Männern oder allein die Anwesenheit in der Kneipe genügten der Polizei als Rechtfertigung für Verhaftungen und Anklagen wegen „anstößigen Verhaltens“ bzw. „Erregung öffentlichen Ärgernisses“.

Weltweit wird jedes Jahr im Monat Juni, dem Pride Month, mit den CSDs an dieses Ereignis erinnert (im Englischen wird die CSD Parade als „Gay Pride“ bezeichnet). Den ersten „Christopher Street Liberation Day“ organisierte die Schwulen- und Lesbenbewegung am 28. Juni 1970, um an die Ereignisse aus dem vorigen Jahr zu erinnern. Damals kamen etwa 4.000 Menschen zu der Parade. Im Jahr 2019 erwarteten die Organisator*innen für die Veranstaltungen im Pride Monat Juni in New York mehr als 4,5 Millionen Teilnehmende. Die ersten CSDs in Deutschland fanden im Juni 1979 in Bremen und Berlin statt. Im Jahr 2019 organsierten 76 Städte in Deutschland CSD Veranstaltungen.

Im Vergleich zu den 1960er Jahren hat sich die rechtliche Situation der LSBTQIA+- Gemeinschaft in den USA, wie auch in Deutschland deutlich verbessert. Dennoch ist sie auch heute noch Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Beispielsweise wurden bei einem grausamen Attentat im Juni 2016 in einem LGBT-Club in Orlando, Florida, 49 Menschen getötet. Im Jahr 2019 wurden in Deutschland 564 politisch motivierte Straftaten aufgrund sexueller Orientierung gemeldet, darunter 147 Gewalttaten (Quelle: Der Tagesspiegel). In diesem Jahr erklärte der damalige US-Präsident Barack Obama die Kneipe „Stonewall Inn“ zum „National Monument“ (Nationaldenkmal). Die Bar ist das erste Nationaldenkmal der USA, das die Geschichte des Kampfs für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern erzählt.

Übersicht zu queeren Themen, Büchern, Vereinen, Gruppen und Initiativen www.regenbogenportal.de

Janine für QUEER! WIR HIER.

Über Intergeschlechtlichkeit und Menschenrechte

Zum IDAHOBIT möchte ich eine Filmdoku von Regine Abadia vorstellen: „Nicht Mann, nicht Frau“ von 2017. Der Film ist noch bis zum 5.8.2021 in der ARTE-Mediathek zu sehen.

Auch innerhalb der queeren Community kennen manche vielleicht nur den Begriff Intergeschlechtlichkeit, wissen aber nicht so genau, was damit gemeint ist und was es bedeuten kann, inter* zu sein, obwohl sich das „I“ inzwischen längst in der Abkürzung LSBTIQA* etabliert hat.

Die Stärke des Films ist, dass nicht etwas Bestimmtes über Inter* behauptet wird, sondern verschiedene inter* Menschen zu Wort kommen. Die Erzählungen berühren, gehen nahe und sind verstörend in dem, was Menschen durch medizinische Eingriffe ohne medizinische Notwendigkeit erfahren mussten und immer noch erfahren. Dieser Film ist ein wichtiger, auch politischer Beitrag, der aufzeigt, dass mitten in Europa und Deutschland, aber auch anderen Ländern, Menschenrechtsverletzungen passieren. Durch die Pathologisierung von Intergeschlechtlichkeit und – daraus folgend – durch medizinisch nicht notwendige, schwerwiegende Eingriffe im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter, die das Recht auf körperliche und psychische Unversehrtheit der betroffenen Menschen massiv verletzen. Die deutsche Gesetzgebung verbietet und bestraft diese Eingriffe immer noch nicht in ausreichender Weise, um inter* Kinder und Jugendliche vor diesen Eingriffen zu beschützen. Eine umfassende Aufklärung über Intergeschlechtlichkeit ist erforderlich. Insbesondere adäquate Informationen und Peer-Beratung für Eltern von intergeschlechtlichen Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen, damit diese den notwendigen Spielraum erhalten – zum Wohle ihrer Kinder – medizinische Interventionen abzulehnen, ohne durch Mediziner*innen unter Druck zu geraten. 

Auch die eigentlich nicht neue Erkenntnis, dass es mehr als nur zwei Geschlechter im menschlichen Sein gibt, ist im Mainstream noch lange nicht angekommen. Im Gegenteil, es wird enorm viel dafür getan, um das Zweigeschlechtersystem aufrecht zu erhalten, und die Deutungshoheit liegt bei den Personen, die ihr festzementiertes Dasein (cis, binär, dyadisch, hetero, weiß, nicht behindert ) für selbstverständlich und normal halten , und alles davon Abweichende zur Nicht-Norm erklären. Das hat auch zur Folge, dass zwanghaft alles, was scheinbar davon abweicht, „angepasst“ werden soll – mit oftmals verheerenden Folgen und Zwängen, nicht nur für inter*, nichtbinäre* und trans* Menschen, sondern auch für alle, die sich diesen einengenden Strukturen nicht anpassen können und/oder wollen.

Umso mehr sind wir aufgefordert, klarzustellen, dass es nicht nur zwei, auch nicht nur drei, sondern viele Geschlechter gibt. Geschlecht ist ein großes Spektrum an Vielheit. Wir alle zusammen können uns informieren, aufklären, aus unserem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen und politisch handeln. Um am Ende endlich eine klare Gesetzgebung zu bewirken, die wirksam alle inter* Menschen schützt und alle medizinischen Eingriffe an inter* Menschen, solange sie im Erwachsenenalter nicht selbst gewählt werden, verbietet und bestraft.

Felin Wiam für QUEER! WIR HIER.

Hier der Link zum Film:

https://www.arte.tv/de/videos/069070-000-A/nicht-frau-nicht-mann/

Aktuell zum Thema siehe auch:

https://queernb.de/halbherziges-verbot-von-menschenrechtswidrigen-operationen-an-intergeschlechtlichen-kindern-und-jugendlichen/

Eine Broschüre der Organisation Intersex International Europe e. V. zum Thema Inter*:

https://oiigermany.org/wp-content/uploads/2017/02/COHR_DE_INTER.pdf

Und ein neu erschienenes Buch über Intergeschlechtlichkeit:

http://www.querverlag.de/inter/

Die Flagge für Pride Inter*:

Von Menschen und Menschen

Neulich erzählte mir mein Freund aus Berlin, wie er die Tage seines Aufenthaltes in einer  Frauenklinik verbrachte, als er seine Mastek-Operation hatte (geschlechtsangleichende Brust-Op, zu der sich manche trans*männlichen Menschen entschließen). Eine der Geschichten ist die: Er hat Besuch von seiner Freundin aus Berlin, die sehr müde ist von der Anreise und sich zu ihm in sein Bett legt und einnickt. Die Stationsschwester kommt herein und die beiden schrecken wie zwei ertappte Teenager*innen auf, da die Schwester große Augen macht. Er sagt dann schmunzelnd: “Äh, das ist meine Freundin aus Berlin, aber also, …es ist nicht so, wie Sie vielleicht denken. Wir sind homosexuell, also ich bin schwul, und sie ist lesbisch…“ Da werden die Augen der eigentlich resoluten Schwester noch größer und sie sagt: “Also bei Euch jungen Leuten komme ich nicht mehr mit!“

Diese kleine Geschichte zeigt, wie immer wieder Verwirrung entsteht, wenn sich über Jahrhunderte gebildete und verfestigte Normvorstellungen vom Menschsein durch konkretes Benennen ins Wanken geraten. Heteronormativität ist nur ein Beispiel für dominante Normen, die unser Denken prägen. Bewusst oder unbewusst beeinflusst uns das, was wir als Norm in unseren Köpfen festgelegt haben, und wir bemerken nicht die Norm selbst, sondern das, was scheinbar davon abweicht und was wir als “das Andere“ markiert haben. Es findet also immer ein Ausschluss vom “Normalen“ statt. Man kann es auch Ausgrenzung nennen. Oft geschieht dies nicht absichtsvoll, aber doch hat es Folgen für all die Menschen, die sich außerhalb dieser Begrenzungen befinden. Es betrifft folglich mehr Menschen, als wir vielleicht denken.

Worüber ich in diesem Artikel schreiben will, ist die (Un-)Sichtbarkeit von LGBTI in einer Kleinstadt wie Stralsund. Als ich vor fünf Jahren von Berlin hierher zog, war mein erster Eindruck- nachdem ich die Vorzüge und Nachteile einer Kleinstadt gegenüber der Hauptstadt kennengelernt hatte – dass ich in ein queeres Niemandsland gezogen war. Der Regenbogenverein war in den letzten Zügen, und ansonsten habe ich in den ersten Jahren nur wenige lesbische Frauen und nur eine trans* Person kennengelernt. Selbst ich habe mich anfangs gefragt, ob das denn so wichtig ist, denn es gibt ja auch prima heterosexuelle Menschen und mein queeres Umfeld habe ich ja immer noch in Berlin.

Doch ein lesbisches / queeres Leben ist nicht darauf begrenzt, als Frau mit einer Frau liiert zu sein. Genauso wenig sind Heteros ja auch nicht nur dann hetero, wenn sie in einer Beziehung leben. Lesbisch-/ queer sein ist auch eine Identität, die sich im Laufe des Lebens ausgebildet hat und sich- wie jede andere Identität- mal mehr, mal weniger verändert und sich in Interaktion zu anderen Menschen immer wieder neu gestaltet.

Wenn ein Umfeld stark hetero und cis normiert geprägt ist wie zum Beispiel Stralsund, und es keine Orte gibt, an denen queeres Leben stattfinden kann, wird man als LGBTI in die Unsichtbarkeit gedrängt. Das ist ein ganz alltäglicher Vorgang, nichts Aufregendes. Einfach nur: Keine*r fragt dich, wie du lebst, schon gar nicht, wenn du nicht von dir aus von deiner (lesbischen*-, schwulen*-, bi-, pan-) Beziehung erzählen kannst, weil du vielleicht keine hast. Oder auch, weil du dich nicht traust, z. B. von deiner trans* Partnerin zu erzählen, oder zum Thema zu machen, dass Du schwul bist, oder lesbisch und inter*. Aus Angst vor Ablehnung oder davor, plötzlich “die*der Andere“ zu sein, nachdem du dich geoutet hast.

Es kostet viel Kraft, im Alltag nie vollständig die Person sein und zeigen zu können, die man ist oder in eine festgelegte Schablone gepresst zu werden: Outet man sich, läuft man Gefahr, dass alles, was zuvor individuell war, nun auf das Lesbisch-/Trans*-/Inter*sein zurückgeführt  oder in Verbindung gebracht wird, outet man sich nicht, wird automatisch angenommen, man sei hetero und cis.

Darum braucht es Menschen und Orte, mit/an denen LGBTIs eine gemeinsame Lebenserfahrung teilen können. Wo die Batterien aufgeladen werde können, denn zu einer diskriminierten Minderheit zu gehören – wie Anja Kühne in dem Buch “Heteros fragen, Homos antworten“ so treffend schreibt – kann einen latenten Dauerstress erzeugen. Man sucht davon Entlastung an Orten, an denen man als normal gelten darf, schreibt sie.

Und es geht darum, dass wir als LGBTIs sichtbarer werden. Das geht gemeinsam am Besten. Aber macht Euch auch individuell sichtbarer! Es haben alle etwas davon. Wir können durch Sichtbarkeit Vorbilder für junge LGBTIs sein, in der Kita, in der Schule, als Lehrer*innen, als mutige Schüler*innen, als Mutmacher*innen für LGBTIs, die vielleicht weniger Glück hatten und sich ihr Leben lang versteckt haben in der Provinz, in der sie sonst vielleicht nicht hätten bleiben können. Denn Unsichtbarkeit hat natürlich auch eine schützende Funktion, wenn Gewalt, Anfeindung und Ausgrenzung aufgrund der geschlechtlichen/sexuellen Identität droht und man damit alleine ist.

Auch deshalb ist es wichtig, uns hier in der Region zu vernetzen, gegenseitig zu stärken und uns gemeinsam für unsere grundlegenden Rechte, für unsere (Spiel-)Räume und unsere Sichtbarkeit einzusetzen. Gerade in einer Gesellschaft, in der die unterschiedlichsten Menschen zwar vorhanden sind, aber das wunderbare Potential dieser Vielfalt immer noch nicht gesehen und wertgeschätzt wird. Lasst uns ein Teil der Menschen sein, die diese Vielfalt mitgestalten und selbstbewusst in die Welt tragen. Am Ende profitieren alle davon. Wir sind schließlich alle HOMO sapiens (keine Panik, liebe Heteros, war nur ein kleiner Scherz)!

Felin Wiam für QUEER! WIR HIER.

Die Ehe für alle…

Im Jahr 1989 wurde der erste Grundstein mit der Einführung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft in Dänemark gelegt.

Axel Lundahl-Madsen und Eigil Eskildsen gelten im skandinavischen Raum als die Väter der Homo-Ehe. Über vierzig Jahre kämpften sie für die Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare in ihrem Land. Im Jahr 1989 waren sie weltweit das erste Homo-Paar, das die Ehe einging. Zehn Jahre später, am 6. Mai 1999, wurde die sogenannte „Hamburger Ehe“ eingeführt. Sieben Paare, drei lesbische und vier schwule, wurden vom Leiter des Standesamtes in Hamburg sowie der Gleichstellungssenatorin Krista Sager empfangen. Damals war das Modell noch höchstumstritten und hatte zunächst lediglich symbolischen Charakter. Jedoch wurde ein neuer Weg eingeschlagen, sodass Hamburg in einem gemeinsamen Entschließungsantrag der Nordländer mit Schleswig-Holstein und Niedersachsen den Antrag für die Öffnung der Ehe durch den Bundesrat gebracht hat.

Ab dem 1. August 2001 bis einschließlich September 2017 ermöglichte das Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft- kurz Lebenspartnerschaftsgesetz- den Homosexuellen in Deutschland die Begründung einer Lebenspartnerschaft. Aus Symbolcharakter wurde endlich Sicherheit in Steuer- und Erbschaftsfragen sowie der Mitversicherung bei Krankenkassen wie auch beim Auskunftsrecht im Krankheitsfall.

Seit dem 1. Oktober 2017 ist die eingetragene Lebenspartnerschaft passé und die Ehe für alle da. Deutschland ist das 24. Land auf der Welt, das die gleichgeschlechtliche Ehe zulässt. Sie ist vor allem in Europa, aber auch in Nord- und Südamerika verbreitet.

Jahrzehnte haben Schwule und Lesben gekämpft- allen Widerständen und Schikanen getrotzt und einen weiteren Schritt zur Gleichberechtigung erreicht. Der Paragraph 1353 im Bürgerlichen Gesetzbuch wurde am 1. Oktober 2017 wie folgt geändert: „ Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen“.

Auch in Stralsund haben sich noch im Jahr 2017 fünf gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort. Im darauffolgenden Jahr waren es insgesamt 28 Homosexuelle, die sich dazu entschieden, den rechtlichen Stand der Ehe einzunehmen.

Mit der Ehe für alle hat sich die Möglichkeit eröffnet, ein Kind zu adoptieren, ohne zunächst große Hürden überwinden zu müssen. Ein Wehmutstropfen aber bleibt es dennoch. Denn zwei verheiratete Frauen bekommen nicht automatisch beide das Sorgerecht für ein Kind, sondern nur die Frau, die das Kind austrägt. Die andere hat keine Rechte am eigenen Wunschkind. Sie kann ihr Kind lediglich als Stiefkind adoptieren. Ein schwules Ehepaar hat die Möglichkeit ein Kind zu adoptieren bzw. ein Pflegekind aufzunehmen.

Im Bundesjustizministerium wird über eine Modernisierung des Familienrechts nachgedacht. Auf die Umsetzungsmaßnahmen sind wir gespannt und werden natürlich berichten.

Sarah Cornils, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Stralsund

17. Mai als Internationaler Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie

Am 17. Mai 1990 beschloss die Generalversammlung der Weltgesundheitsorganisation, Homosexualität von der Liste psychischer Erkrankungen zu streichen. Seit 2004 wird der Internationale Tag gegen Homophobie (IDAHO- „International Day Against Homophobia“) und seit 2009 ergänzt um den Begriff Transphobie  („International Day Against Homophobia and Transphobia“) bunt gestaltet und gefeiert.

Im April 2007 wurde dieser Gedenktag vom Europäischen Parlament offiziell als Aktionstag anerkannt. Aus Sicht des Europarats zählen Hassverbrechen und Gewalt in Europa immer noch zu den hartnäckigsten Verstößen gegen Menschenrechte.

Was aber bedeutet nun Homophobie? – es heißt, dass Homosexualität abgewertet oder auch als Krankheit, Sünde, Ekel, falsch oder widernatürlich bezeichnet wird. In jedem Fall wird es als defizitär und nicht gewollt angesehen.

Trotz Streichung des § 175 Strafgesetzbuch im Jahr 1994 -welcher sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte- und der Einführung der „Homo-„ Ehe sowie des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetztes kann von keiner breiten gesellschaftlichen Akzeptanz in der Gesellschaft ausgegangen werden.  Diskriminierung und Anfeindungen gehören nach wie vor zur Erfahrung vieler queerer Menschen. Die Zahl der Überfälle an LSBTI Menschen im Jahre 2018 lag bei 313 Fällen. Der LSVD (Lesben und Schwulenverband Deutschland) hingegen spricht von einer Dunkelziffer, die bei 80-90 Prozent liegt. Noch immer trauen sich Lesben, Schwule, Trans*gender nicht Gewaltvorgänge anzuzeigen, aus Angst vor Diskriminierung, Repressionen und Nichtachtung. Danach sprechen wir von 801 Fällen im Jahr 2018 bundesweit.

Am 17. Mai jeden Jahres setzen Lesben, Schwule, Trans-, Inter- und Bisexuelle mit Demos in Regenbogenfarben, Diskussionen, Konzerten und Aktionen ein Zeichen für Toleranz. Denn noch immer steht Homosexualität in mehr als 70 Ländern der Welt unter Strafe. Den Homosexuellen und Trans*gender drohen teilweise sogar die Todesstrafe.

Auch heute noch spielen gewisse Rahmenbedingungen für Outings eine Rolle: Lebe ich auf dem Land oder in einer großen Stadt? Arbeite ich in geschlechtsspezifischen Berufsgruppen, wie z.B. der Bundeswehr oder Polizei? Bin ich jung oder alt? Bin ich Mitglied einer bestimmten Sportmannschaft? Gehöre ich einer kirchlichen Institution an?  Und das im 21. Jahrhundert.

Gleichstellung bzw. Chancengleichheit sieht anders aus. Deshalb werden verschiedene Aktionen am 17. Mai geplant, um dafür zu kämpfen, als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft wahrgenommen, geachtet und anerkannt  zu werden.

Sichtbarkeit und Akzeptanz sind zwei wesentliche Begriffe für den Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie.

So lange queere Menschen nicht in allen Lebenslagen gleichgestellt sind, und Tendenzen zur Rückläufigkeit von Akzeptanz und Toleranz an LSBTI Menschen wieder aufkeimen, wird der 17. Mai ein mit Kampfgeist erfüllter Aktionstag bleiben. Der Weg ist noch lang.

Weitere Aktionstage für LSBTI

05.05. Internationaler Regenbogenfamilientag

17.05. Tag gegen Homophobie

28.06. Aufstand Stone Wall/ 2019 50 Jahre Stone Wall

01.12. WeltAIDStag

Sylke Engelhardt für QUEER! WIR HIER.

Giffey startet Regenbogenportal

Bundesfamilienministerium stellt Wissensnetz zu gleichgeschlechtlichen Lebensweisen und geschlechtlicher Vielfalt online

In Deutschland leben schätzungsweise 6,5 Millionen lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche (LSBTI*) Menschen. Das Bundesfamilienministerium hat das Ziel, Unwissen, Vorbehalte und Diskriminierung abzubauen, Akzeptanz, Gleichstellung und ein respektvolles Miteinander zu fördern. Das neue Regenbogenportal ist hierfür ein wichtiger Schritt. Es ist Informationsquelle, Datenbank und Wissensnetzwerk in einem. Das Regenbogenportal liefert Aufklärung und passende Beratung und erleichtert interessierten Nutzer*innen den Zugang zu fachlich fundierten Informationen. Denn nur mit Wissen können Vorurteile abgebaut und der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden.

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey: „Noch nie gab es in Deutschland so viele Informationen zu LSBTI-Themen auf einen Blick. Das Regenbogenportal ist damit ein echter Fortschritt. Jeder Mensch ist einzigartig – und dennoch gehören Vorbehalte und Diskriminierung für viele lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen immer noch zum Alltag. Nach wie vor gibt es Wissenslücken über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt – und die wollen wir schließen. Das Regenbogenportal klärt auf, baut Vorurteile ab und kann dazu beitragen, Diskriminierungen aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität entgegenzutreten.“

Aufklärung, Information und Vernetzung

Was bedeutet non-binary? Welche Vorschriften gelten beim Ändern des Namens bei der Geschlechtsanpassung? Wer hilft mir bei homophober Gewalt? Und wo bekommen Eltern Rat, deren Kind intergeschlechtlich geboren wurde?In einfachen Texten und fundierten Hintergrundartikeln liefert das Portal Antworten auf Fragen wie diese. Es informiert zu Themen wie Gesundheit, Familie und Recht, greift aktuelle, gesellschaftspolitische Debatten auf und ist mit seiner Übersicht zu bundesweit knapp 300 Anlaufstellen eine praktische Orientierungshilfe. Das Regenbogenportal bietet ein umfassendes Wissensnetz für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtlich, queere Menschen und deren Familien und Angehörige, aber auch für Lehrer*innen und Fachkräfte unterschiedlicher Bereiche. Hier finden alle, die sich privat oder beruflich mit LSBTI* beschäftigen, kompakt aufbereitetes Wissen. Das Angebot ist leicht zugänglich und kann auch auf Smartphones und Tablets genutzt werden. Um einen möglichst großen Kreis von Menschen zu erreichen, sind die wesentlichen Inhalte der Seite in Englisch, Französisch, Spanisch, Türkisch und Arabisch sowie in leichter Sprache verfügbar. Nutzer*innen können die Inhalte ihren Interessen entsprechend nach den Kriterien sexuelle bzw. geschlechtliche Identität, Lebensbereich oder nach Materialtyp (z.B. Leitfäden, Sachinformationen oder Unterhaltungsmedien) filtern oder gezielt nach Schlagworten suchen.

Das Bundesfamilienministerium finanziert das Regenbogenportal zunächst bis Ende 2020 mit knapp 1 Million Euro. Das Wissensnetzwerk wird laufend mit neuen Informationen, Beratungsangeboten und Nachrichten ergänzt und informiert aktuell über gesetzliche und gesellschaftliche Veränderungen.

Hier gehts zum Regenbogenportal:

www.regenbogenportal.de

LSBTI*-Gleichstellungsarbeit des Bundesfamilienministeriums

Zum Abbau von Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität und zur Förderung der Gleichstellung von LSBTI*-Menschen sowie zur Unterstützung ihrer Familien wurde 2014 das Referat „Gleichgeschlechtliche Lebensweisen, Geschlechtliche Vielfalt“ im BMFSFJ eingerichtet. Wichtige Maßnahmen der vergangenen Jahre waren die Stärkung kompetenter Unterstützung von Regenbogenfamilien und LSBTI*-Projekten für Lesben und Schwule im Alter. Mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ setzt sich das Ministerium auch gegen Trans- und Homofeindlichkeit und für den Aufbau des Bundesverbandes Trans* ein.

Weitere Informationen zu den Aktivitäten des Bundesfamilienministeriums im Bereich sexuelle und geschlechtliche Vielfalt finden Sie hier:

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/gleichgeschlechtliche-lebensweisen-geschlechtsidentitaet